FlyQuest.PowerOfEvil: "TSMs Leistung kann man nicht verteidigen. 0-6 ist eine Enttäuschung." – League of Legends

Nach dem letzten Tag der Gruppenphase konnten wir mit PowerOfEvil von FlyQuest sprechen. Im Interview spricht er über die Leistung des Teams, die Probleme der NA-Szene und was er persönlich alles gelernt hat während der Worlds 2020.

FlyQuest überraschte am letzten Spieltag die Fans mit zwei starken Partien gegen Top Esports und auch die Unicorns of Love. Aufgrund der Niederlage gegen DRX reichte es zwar nicht mehr für die Playoffs, aber die Leistung des Teams war dringend benötigter Balsam auf der nordamerikanischen Seele.

esports.com: Hallo PowerOfEvil. Zunächst natürlich vielen Dank, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast. Gratulation auch erst einmal für den Sieg über die Unicorns of Love im letzten Spiel. Wie fühlst du dich gerade nachdem die Worlds 2020 für dich nun doch zu einem versöhnlichen Ende gekommen sind?

PowerOfEvil: Natürlich sind alle jetzt ein bisschen traurig, dass wir den wichtigen Sieg gegen DRX nicht einfahren konnten. Aber trotzdem sind alle sehr glücklich nun mit den zwei Siegen gegen Top Esports und Unicorns of Love die Worlds auf einer guten Note mit 3-3 zu beenden.

Wie schwierig war es für euch mental den Reset zu machen nach der Niederlage gegen DRX, um dann noch zwei gute, vor allem gegen Top Esports, auch sehr gute Partien abzuliefern?

Ich würde sagen, dass nach DRX die Hoffnung bei uns nicht mehr so hoch war. Ich habe noch versucht mein Team zu überzeugen, dass Unicorns of Love eventuell gegen Top Esports noch gewinnen kann. Aber nachdem sie dann verloren hatten war uns natürlich auch klar, dass es vorbei für uns war. Trotzdem wollten wir noch eine gute Performance zeigen, sowohl individuell und als auch als Team. Schließlich sind wir ein gutes Team und wir hatten eine gute Chance, auch wenn wir knapp scheiterten. In der Zukunft können wir all die Sachen, die wir gelernt haben und all die Erfahrungen, die wir gesammelt haben hoffentlich anwenden und dann den Sprung aus der Gruppe schaffen.

FlyQuest zeigte vor allem im Spiel gegen TOP Esports eine phänomenale Leistung. Was machte den großen Unterschied aus zwischen Woche 1 und Woche 2 der Spiele?

Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, aber ich glaub in Woche eins habe ich persönlich ganz gut gespielt gehabt, aber eine der beiden Sidelanes ist ein bisschen explodiert. Wir waren noch nicht so gut darin die Sidelane zu retten, in dem wir mehr Ressourcen reinpacken oder die Sidelane von sich aus ansagt, wie wir sie besser unterstützen können. In Spielen wo eine Sidelane außer Kontrolle gerät wie gegen DRX oder Top in der ersten Woche kann das dann ganz schnell ein Spiel kippen.

Wo wir gerade über die Sidelanes sprechen. Solo, euer Toplaner hat dieses Jahr zum ersten Mal bei den Worlds mitgespielt. Wie konntet ihr ihm helfen mit dem Druck umzugehen?

Für Solo war das natürlich eine krasse Challenge. Bei den Worlds spielst du gegen die Top Regionen, gegen die Besten der Besten. Außerdem sind wir auch noch ein Team, dass nicht so viel um die Toplane spielt. Das heißt er ist schon recht alleine da und muss versuchen mit wenigen Ressourcen zu überleben und zu haushalten. Das ist eine sehr schwierige Sache.

Nachdem dann die ersten spiele nicht so gut geklappt haben und er auch sehr viel Kritik abbekommen hat, haben wir uns als Team zusammengesetzt und klar gestellt: “Hey das ist nicht dein Fehler gewesen, wir haben viele Sachen als Team falsch gemacht.”

Ich hoffe unsere Spiele in dieser Wochen konnten das Narrativ drehen und dass die Leute dann auch sehen können, dass er ein sehr sehr guter Toplaner ist.

Nun zum Thema worüber wir natürlich sprechen müssen: Die Leistung der nordamerikanischen Szene. Wieder einmal alle drei Teams eliminiert in der Gruppenphase. Top Seed TSM sogar mit der historisch schlechten Leistung von 0-6. Was ist deiner Meinung nach das große Problem der NA-Szene?

Team Liquid und wir hatten eigentlich ganz gute Chancen rauszukommen mit unseren Leistungen. Schließlich hatten wir beide recht harte Gruppen. Und mit 3-3 kann man in manchen Gruppen es auch in die Playoffs schaffen. So wie mir das mit Misfits vor drei Jahren gelang. Es war dieses Jahr also ziemlich knapp für uns. Aber klar TSMs Leistung, worüber sich viele beschweren, kann man nicht verteidigen. 0-6 als erster Seed ist eine Enttäuschung. Es aber auch sehr hart zu sagen, was genau das Problem war bei ihnen. Es kann immer mal etwas passieren, vielleicht klappt etwas bei einem Bootcamp nicht mehr, der Funke geht verloren oder das Team vergisst seine Identität. Ein bisschen kann ich das verstehen, aber erwartet wird natürlich mehr.

Was kann Nordamerika also tun, um besser abzuschneiden? Ich denke es ist wichtig, dass die Spieler, die zu den Worlds gehen und dort gegen die Besten spielen, ihre Erfahrungen in Zukunft nicht nur nutzen, sondern auch mit anderen Spielern in der Region teilen. So wird das Wissen weitergegeben, damit sich die Szene verbessert. Je niedriger der Ping desto besser sollte natürlich auch das Training sein, aber das ist ein anderes Problem und ein anderes Thema.

Vor dem Ausscheiden von Cloud 9 wurden sie vor allem aufgrund ihrer starken Spring Season als große Hoffnung gehandelt. Wie hätte deiner Meinung nach C9 bei den diesjährigen Worlds abgeschnitten?

Das ist halt echt unmöglich zu sagen. Ich glaube letztes Jahr wurde C9 auch als stark angesehen, scheiterte dann aber in der Gruppe. Meiner Meinung nach ist auch TL ein sehr gutes Beispiel für ein Team, in das ich anfangs weniger Hoffnung gesetzt hatte als bei TSM. Aber sie haben beim Turnier ihre Identität gefunden, einige Sachen geändert und dann hat es auf einmal geklappt. Liquid hat sehr gut abgeschnitten und es fast aus der Gruppe geschafft. So Sachen können sich halt schnell ändern und ehrlich gesagt kann ich das schlecht sagen und beurteilen.

Zu dir persönlich nochmal. Anfang 2018 bist du in die LCS gewechselt und hattest zunächst nicht so viel Erfolg mit Optic und dann Counter Logic Gaming. Es hat drei Jahre gedauert bis zu deiner Rückkehr zu den Worlds. Wie haben sich die Teams voneinander unterschieden?

Optic war natürlich kein großer Erfolg. Als Team haben wir es einfach nicht geschafft. Ich weiß nicht, ob es jetzt an der Teamidentität oder an den Spielern lag, aber es war einfach ein großer Misserfolg. Individuell habe ich gut abgeschnitten, ich wurde, wenn ich mich richtig erinnere, sogar zum zweitbesten Midlaner gewählt, obwohl wir nur Siebter wurden.

Bei CLG hatten wir im Spring eine schlechte Performance zum Summer Split dann aber die Sache umgedreht. Vom siebten Platz steigerten wir uns zum Sommer dann auf den dritten Platz. Anschließend verpassten wir in den Regional Finals den Sprung zu den Worlds. Ähnlich wie das damals vor fünf Jahren bei mir mit den Unicorns of Love war. Es ist natürlich sehr sehr schade so kurz vor dem ziel zu scheitern, auch wenn wir natürlich nicht gut genug waren.

Und jetzt mit FlyQuest bin ich super happy. Wir haben es zweimal hintereinander in das LCS Finale geschafft. Wir haben ein starkes Roster und haben sowohl individuell als auch als Team eine gute Performance gezeigt. Es hat also eine Weile gedauert aber jetzt sind wir hier.

Du hast bei den Worlds nun sehr gut gespielt. Auch gegen Knight, der von vielen als bester Spieler der Welt gehandelt wird. Wie schwierig ist es gegen einen so renommierten Spieler zu spielen?

Ich bin jetzt nicht jemand der ängstlich in eine Situation reingeht. Ich hatte schon gegen sehr sehr viele andere starke Midlaner gespielt, auch von der alten Garde wie xPeke oder Alex Ich oder auch Faker vor drei Jahren bei den Worlds mit Misfits. Man muss einfach selbstbewusst reingehen und sein Bestes geben.

Ich muss auch sagen, dass ich mich sehr glücklich schätzen kann mit Gruppe D. Meiner Meinung nach ist es die stärkste Gruppe was Midlaner angeht und ich konnte in den Partien gegen Knight, Chovy und Nomanz sehr viel lernen. Das sind alles sehr gute Midlander mit verschiedenen Stärken und Schwächen. Gegen sie zu lanen und zu lernen ist natürlich eine große Ehre. Ich habe eine gute Leistung gebracht, aber konnte natürlich auch sehr viel aus den Matchups und Spielen mitnehmen und lernen. Beispielsweise wie man etwas besser Priority holt oder bestimmte Trades eingeht. Es ist immer ein bisschen Geben und Nehmen.

Auf dem Level auf dem wir spielen ist jeder Minion Lasthit ein Kampf, jede Wave rauszupuschen ebenso. Das ist anders als in den regionalen Ligen.

Vielen Dank für das sehr ausführliche Interview und viel Glück für die nächste Saison.

Vielen Dank.

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Bildquelle: Riot Games/LoL Esports


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